cnetz – Warum die Zeit reif ist
Donnerstag, 5. April 2012 21:05
Der ein oder andere mag sich vor wenigen Tagen sicherlich gefragt haben: "Was soll das denn jetzt? Warum braucht jetzt auch die Union einen eigenen Netzverein?"
Dieser Gedanke ist nur auf den ersten Blick nachvollziehbar. Bei genauerer Betrachtung der Sachlage gibt es eine Vielzahl an Argumenten für die Gründung eines solchen Vereins:
In der Union wird Netzpolitik nicht erst seit den Piraten gemacht. Jeder der etwas anderes behauptet, redet an der tatsächlichen Lage vorbei. Innerhalb dieser großen Volkspartei gibt es nicht nur Leute, die wir gerne als "Internetausdrucker" bezeichnen. Nein, es gibt auch jede Menge Leute, die der zunehmenden weltweiten Vernetzung und Digitalisierung sehr positiv gegenüberstehen. Neben den uns bekannten wie Dorothee Bär, Peter Tauber und Peter Altmaier gibt es allerorten Menschen, die sich schon seit mehreren Jahren mit diesen Themen beschäftigen. Dass diese leider oftmals nicht so sehr wahrgenommen werden, liegt zum Einen sicherlich an der Tatsache, dass sie innerhalb der Union noch die Minderzahl darstellen. Andererseits gibt es aber sicherlich auch ein Interesse der Medienindustrie an einer entsprechenden Polarisierung. Bei genauer Betrachtung finden sich aber in nahezu jedem Verband Engagierte, die sich um Netzpolitik kümmern, dies aber oftmals nicht auf eine derart lautsprecherische Weise, dass Sie in der öffentlichen Wahrnehmung durchdringen. Aber ist deren Engagement weniger wert, nur weil es auf eine leise Art und Weise geschieht?
Das öffentliche Ungleichgewicht, dass die Piraten für eine moderne Netzpolitik stehen, und die Union auf diesem Feld noch "im Vorgestern" agiert, muss korrigiert werden. Wie bereits im ersten Absatz erwähnt, gibt es in der Union eine ganze Menge Leute, die sich mit den Themen beschäftigen. Das cnetz sollte diese Stimmen bündeln und dafür sorgen, dass dieses Engagement nun endlich auch nach außen getragen wird. In Zeiten von Facebook, Twitter & Co. muss diese Öffentlichkeit eben auch und gerade im Netz geschaffen werden. Eine dementsprechende Aktivität wird dann auch ihren Widerhall in der gedruckten Presse finden, wie ja bereits geschehen.
All den Piraten-Sympathisanten, die sich selbst für den Nabel der Welt und der Weisheit der Netzpolitik halten, möchte man entgegenhalten:
Ihr seid nicht allein!
Das absolute Sendungsbewusstsein einiger dieser Leute kann einem durchaus auf den Zeiger gehen. Nicht selten kommt es vor, dass man sich zu einem Thema äußert und damit einen gigantischen Shitstorm lostritt. Dies manchmal einzig aufgrund der Tatsache, dass man sich als Unions-Anhänger zu Erkennen gibt. Gerne werden dann auch uralte Kamellen á la "Zensursula" recycelt. Leute! Kapiert es! Wir sind nicht alle so! Dieses monozentrische Weltbild ist im Jahre 2012 längst überholt. In einer derartig großen Partei gibt es zu verschiedenen Themen durchaus differenzierte Meinungsbilder. Die Piraten sind sich ja bei der Schlecker-Rettung auch nicht einig. Ich denke, wir sind es uns gegenseitig schuldig, uns auf diesen Feldern ernst zu nehmen. Leider ist dies insbesondere in der Netzpolitik vielfach noch nicht möglich. Zu offen verstößt ein Unions-Netzpolitiker gegen das Dogma mancher Menschen, dass ein Unions-Netzpolitiker böse sein muss. Den Beweis anzutreten, dass dem eben nicht so ist, auch das dürfte Zweck des cnetz sein, obgleich es nicht unmittelbar in der Satzung steht.
Dem Wirken nach außen steht aber klar auch ein Wirken nach innen gegenüber. Es müssen Thesen und Meinungen generiert werden und diese in der Diskussion mit einer fundierten Argumentation unterbaut werden. Hat man die CDU/CSU im Blick, so stellt man fest, dass ein nicht kleiner Teil der Verantwortungsträger die Veränderungen noch nicht begriffen hat, die sich in den letzten Jahren im und durch das Netz ergeben haben. Naheliegend, dass dies dann auch zu Verunsicherung und Angst führt. Zum Ausdruck kommt dies dann in so kruden Thesen wie dieser von Herrn Uhl zu den Terroranschlägen von Oslo:
In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren.[....] Wir sind uns einig, das Internet weiter überwachen zu müssen.
Neben der Tatsache, dass wir solchen Ideen sowohl emotional als auch mit sachlichen Argumenten entgegen treten, ist es ebenfalls Aufgabe des cnetz, diesen Menschen die Dinge zu erklären. Ein Abbau von Angst führt dazu, dass man neue Entwicklungen als Chance begreift und nicht als Risiko. Hier haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns. Packen wir es an!
Hurra!!!
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